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06.10.05

Inflation der Wahrheit: Kapitalismus braucht Armut!

Artikel aus dem GegenStandpunkt 03/2005

Heute werden die Menschen mit ökonomischen Wahrheiten zugeschüttet, dass einem schlecht werden könnte. Die Frechheit, mit der Magazine und Features davon künden, dass die Wirtschaft nur funktionieren kann, wenn die Arbeitskräfte dem Hunger nahe sind, verrät nämlich vor allem eines: Die Autoren haben keine Scheu, eine Wahrheit auszuplaudern, die eigentlich das stärkste Argument gegen die famose freie Marktwirtschaft ist. Sie erläutern ihren Publikum fröhlich die Unverträglichkeit seiner Lebensbedürfnisse mit den Erfolgsbedingungen des Kapitalwachstums und geben sich dabei nicht die geringste Mühe, ihm zu erläutern, warum es sich vom Standpunkt seiner Interessen aus für dieses Wachstum begeistern und hergeben sollte. Die Volksbelehrungen argumentieren nicht für den Kapitalerfolg, sondern mit seinen Erfordernissen - und verlangen von ihren Adressanten, ohne weiteren guten Grund, diesen Erfordernissen die eigenen zu opfern. Die Autoren erinnern schlicht daran, dass der Normalbürger nun einmal vom Kapital abhängt und keine Wahl hat. Jedenfalls haben keine Sorge, dass er die Botschaft der Unvereinbarkeit einmal nicht als unwidersprechlichen Imperativ zum Zurückstecken, sondern als Auskunft über ein System verstehen könnte, das ein anständiges Leben für ihn weder vorsieht, noch verträgt.

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30.09.05

Warum sind viele Menschen in den Entwicklungsländern arm?

Ein Leserbrief und die Antwort darauf aus dem GegenStandpunkt 04/2003

Leserbrief:

Neulich bekam ich Post von einem Freund aus einem Entwicklungsland, dem ein Artikel eines berühmten lokalen Dichters beigefügt war, in dem der Mann seine Ausführungen über die Ursachen der Armut darlegte. Die Schuld an der Armut gab der Dichter u.a. der Faulheit der Menschen selber, der fehlenden Strebermentalität, der Trägheit und der Korruption der herrschenden Politiker. Als Lösung schlug er eine harte disziplinierende Erziehung vor, so genanntes "character-building", um die Mentalität der Menschen zu ändern.

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29.09.05

Ein gekonnt inszenierter Skandal: Sex & Crime im VW-Betriebsrat

Ein Artikel aus dem GegenStandpunkt 03/2005

Ein gekonnt inszenierter Skandal: Sex & Crime im VW-Betriebsrat

Das kommt ja wie gerufen: Rechtzeitig zur erwarteten Machtübernahme einer Regierung, die neben dem Flächentarif auch die deutsche Mitbestimmung demontieren will, und saupünktlich zum Antritt eines neuen Managers, der das Unternehmen aus der Ertrags-Krise zu führen verspricht, wird den dafür zuständigen Redaktionen die Eröffnung eines staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens im Umfeld des VW-Betriebsrats zugetragen. Die Vertreter der kritischen Öffentlichkeit riechen die Gelegenheit, spüren, dass die moralische Lage der Nation reif dafür ist und beschließen, bei dem deutschen, sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Vorzeigekonzern "Unregelmäßigkeiten" zu entdecken. Das gelingt ohne weiteres: Die Weltfirma hat ihrem Welt-Betriebsrat für seine Dienstreisen ein großzügiges Spesenkonto eingerichtet; für die Abrechnung der Spesen genügen in besonderen Fällen selbst ausgestellte "Eigenbelege"; und über die sollen die weltweit engagierten Belegschaftsvertreter auch Unkosten für Amouröses abgerechnet haben. Des Weiteren will man wissen, dass der VW-Betriebsratschef eine "dubiose" Beziehung zu einer Brasilianerin unterhält und auch deren Reisekosten irgendwie über die Firma subventioniert; schließlich soll er, wie unter höheren Managern vieler Konzernen offenbar üblich, verdeckt an einer Firma beteiligt sein, die von VW Aufträge erhält und erledigt.

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19.09.05

Arbeit und Reichtum

"Beschäftigung" - "Globalisierung" - "Standort" ...
Anmerkungen zum kapitalistischen Verhältnis zwischen

Arbeit und Reichtum

Sonderdruck des Artikels aus GegenStandpunkt 4-96 und 1-97
60 Seiten, GS-Format, gebunden mit Umschlag, Euro 5.-
Erhältlich beim GegenStandpunkt Verlag oder als PDF zum Download (siehe Ende dieses Artikels).


"Mein Geld muß genauso hart arbeiten wie ich", warb Berti Vogts seinerzeit für eine gute Bank. Nicht ausgelassen hat er sich über die Frage, woher Geld die Fähigkeit besitzt, die allgemein "arbeiten" heißt und genau das Gegenteil bezeichnet: Sich wie von selbst zu vermehren. Irgendwo wird schon noch gearbeitet werden müssen. Von wem und wie, ist eine andere Frage - die nämlich nach dem Charakter der Arbeit in diesem besten aller Wirtschaftssysteme.

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27.08.05

Die Antwort der Opposition auf die Machtfrage des Kanzlers:

Führungskraft durch Ehrlichkeit wie noch nie

Artikel aus dem GegenStandpunkt 03/2005

1. Die Kunst demokratischer Meinungs- und Willensbildung: aus Verdruss über die Politik Politiker ermächtigen

Beim Kampf um die Macht, den der Kanzler so überraschend ansagt, ist die Opposition gleich voll mit von der Partie und guten Mutes. Nach allgemeiner und öffentlich vorherrschender Auffassung - und vor allem auch nach Einschätzung Schröders, der sich von seinem "Überraschungsangriff" Vorteile gegen eine noch unsortierte Konkurrenz verspricht - sind Union und FDP zwar noch gar nicht fit für eine Machtübernahme: Es fehlt an "überzeugenden Konzepten"; die Unionsspitze weiß in vielen Punkten noch gar nicht, was sie will, geschweige denn - was für erfahrene Demokraten fast noch schwerer wiegt - wie sie das, was sie mit der Regierungsmacht anstellen will, "verpacken" und "verkaufen" soll; bei der Ankündigung sozialer Härten noch weit über die "Halbherzigkeiten" der 'Agenda 2010' hinaus, die sie dem Fußvolk des Standorts zu dessen eigenem Besten zuzumuten gedenkt, nimmt sie den Mund ziemlich voll, lässt es, "wenn es konkret wird", dann aber doch an "Mut" und "Konsequenz" fehlen.

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Verfassungspatriotisches Intermezzo

Die Neuwahlen und das Grundgesetz

Artikel aus dem GegenStandpunkt 03/2005

Alle wollen Neuwahlen: Der Kanzler, der sie über die Vertrauensfrage erzwingen und die Opposition, die sie gewinnen will; die demokratische Öffentlichkeit, die allenthalben die "Chance zum Neuanfang" feiert, und auch die Bürger, die Umfragen zufolge mehrheitlich dafür sind, ein Jahr früher als geplant an den Urnen anzutreten. Bis auf ein paar Hinterbänkler, die ihre Pfründe nicht vorzeitig verloren sehen wollen, herrscht bei jedermann eitel Freude über das bevorstehende "Ende der Agonie". Doch dann bahnt sich, sozusagen aus den Tiefen des verfassungsrechtlichen Raums, ein "politisches Dilemma" an. Das ehrwürdige Prinzip, dass alles, was deutsche Politik tut und lässt, rechtmäßig und auf dem Boden der Verfassung stehend geschieht, kommt dem eingeschlagenen Weg zu den Wahlurnen in die Quere. Dass einer Regierung die Kanzlermehrheit und damit eine Vertrauensfrage verloren geht, mag vorkommen, dass das Parlament einem Kanzler das Vertrauen entzieht, ist im Grundgesetz rechtsförmig geregelt.

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Das Wahlversprechen des Jahres 2005: Arbeit

"Sozial ist, was Arbeit schafft."

Artikel aus dem GegenStandpunkt 03/2005

Die Machtfrage des Kanzlers, das ehrliche Gegenangebot der Opposition sowie überhaupt alle Konkurrenzen, Polemiken und üblen Nachreden, mit denen Kandidaten und Parteien etwas für ihre Unterscheidbarkeit tun und die Wähler betören, finden statt auf dem Boden einer ganz und gar gemeinsamen Diagnose der krisenhaften Lage der Nation und einer ebenso geteilten Therapie: Dem Volk fehlt Arbeit, diese Not muss bekämpft werden! Im Licht dieser überragenden Aufgabe werden alle anderen Tagesordnungspunkte der Nation zur Nebensache. Ihr war schon Schröders Amtsantritt vor 7 Jahren gewidmet. Er wollte sich an der Reduktion der Arbeitslosenzahlen messen lassen, und ist mit all seinen Agenda 2010-Reformen, die das Land gründlich verändert haben, an diesem Ziel gescheitert. Die unerledigte Aufgabe will er mit einem neuen Auftrag und neuem Elan fortsetzen. Dieselbe Aufgabe wollen ihm die anderen abnehmen. Bundespräsident Köhler fordert "Vorfahrt für Arbeit", die CDU-Kanzlerkandidatin verspricht statt der unzureichenden "Agenda 2010" eine echte "Agenda für Arbeit"; der bayrische CSU-Ministerpräsident definiert: "Sozial ist, was Arbeit schafft", und alle, einschließlich des sozialdemokratischen Wirtschaftsminister schließen sich, das Motto leicht variierend, an: "Fair ist, was Arbeit schafft."

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Attac - Der Aldi unter den Weltverbessern

Artikel aus dem GegenStandpunkt 02/2003

Inmitten der 'Spaßgesellschaft' gibt es eine Organisation, die der Auffassung ist, dass in der Welt ziemlich viel, ziemlich grundsätzlich im Argen liegt:

"Die soziale Kluft zwischen Nord und Süd wird tiefer. Während die Reichen immer reicher werden, wächst die Armut in der Dritten Welt. Durch Finanz- und Wirtschaftskrisen werden über Nacht ganze Volkswirtschaften ruiniert und verlieren Hunderttausende ihren Arbeitsplatz. Die Armut ist in die Industrieländer zurückgekehrt. ... Renten, Gesundheit, Bildung sollen zur Ware werden. Demokratie wird untergraben... Die Deregulierung der Arbeitsmärkte und der Sozialabbau werden wesentlich mithilfe unter- und unbezahlter, flexibler Frauenarbeit vollzogen. Auch Männerarbeit wird zunehmend nach diesem Modell der weltweit ungeschützten flexibilisierten Billigjobs dereguliert und globalisiert." (Attac-Erklärung: Die Welt ist keine Ware - eine andere Welt ist möglich)

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