GegenStandpunkt 02/06
ab 02.06.2006 im gut sortierten Buch- und Zeitschriftenhandel oder direkt beim Verlag
Japan: Warum die Weltwirtschaftsmacht Nr. 2 ihren ‚Pazifismus' überwinden will und welche Widersprüche sie dabei nicht scheut
Wie die Bundesrepublik so hat es auch der Weltkriegsverlierer Japan unter den Gegebenheiten des Kalten Kriegs als Bündnispartner der USA zum Status einer Weltwirtschaftsmacht gebracht. Und so ähnlich wie das zu einer Führungsmacht Europas aufgestiegene Deutschland ist auch Japan damit heute alles andere als zufrieden. Japans Politiker fragen sich, was ihrer Nation der Sieg des Westens eigentlich an Geschäfts- und Machtzuwachs ein-bringt und stellen prompt lauter Defizite fest: Es fehlt - so ihre Diagnose, die vom Aufbruchswillen auch dieser Nation zeugt - im letzten und vor allem an dem, was heutzutage ‚Kompetenz in Weltordnungsfragen' heißt, d.h. an der mit Gewaltmitteln gesicherten Fähigkeit, anderen Ländern die eigenen Interessen als verbindliche Richtlinien aufzunötigen und sich in der Konkurrenz der einschlägigen Mächte zu behaupten, die es zu diesem Status gebracht haben oder wie Japan sie sich erobern wollen. Dieses Defizit zu beseitigen, sich notgedrungen und ausgerechnet mithilfe der USA aus der Unterordnung unter deren Vormacht zu befreien, und selber zu einer konkurrenzfähigen Weltmacht zu werden, das ist das imperialistische Programm, mit dem Japan in der Region gegen Konkurrenten wie China und Russland, aber auch gegenüber dem Rest der Welt antritt. Noch eine Nation, die mit Gewalt nach einer ‚neuen Weltordnung' drängt!
Europa: Das große Geschäft und die Sorgen der Politik mit der leitungsgebundenen Energieversorgung
Das zu einem einheitlich geregelten kapitalistischen Geschäftsfeld vereinte Europa stößt wieder einmal in einer entscheidenden Angelegenheit an seine Grenzen: Die übernationalen Fusions- und Kooperationspläne von gro-ßen Energieversorgungsunternehmen in Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich rufen die Politik auf den Plan und jeweils gegensätzliche nationale Unterstützung oder Widerstände von oberster Stelle hervor. Kein Wunder, handelt es sich doch bei der da verhandelten Energie-Branche um keinen alltäglichen Geschäftszweig , sondern eine n ‚strategischen Schlüsselbereich' nationalen Wirtschaftens. Warum sich diese Branche besonderer staatlicher Aufmerksamkeit erfreut, wie sie staatlich gefordert und gefördert wird, wie sie deshalb geschäftlich organisiert ist und wie sie jetzt zum europäischen Streit- und Konkurrenzfall gerät, das alles ist zu lesen im GegenStandpunkt-Artikel.
Noch eine andere besondere Abteilung kapitalistischen Geschäfts nimmt der GegenStandpunkt ins Visier:
Die Autoindustrie: Eine Fallstudie über eine ‚Schlüsselindustrie' des Kapitalismus, den weltweiten Wettstreit der Kapitale und die Standortkonkurrenz der Nationen
Behandelt werden: die grundlegende Rolle des industriellen Guts, das den heutigen gesellschaftlichen Bedarf nach ‚Mobilität' sorgt - der kapitalistische Modellcharakter des Geschäfts, das mit diesem Massenartikel ge-macht wird - die. Konkurrenzmethoden, mit denen sich die Handvoll Großkonzerne national und global die Märkte erobern und streitig machen - deren Rolle im kapitalistischen Getriebe der großen Nationen, die diesen Unternehmen einen Sonderstatus und besondere staatliche Aufmerksamkeit und Förderung sichert - die Folgen für das dort beschäftigte Proletariat, das sich zur nationalen ‚Arbeiterelite' zählen und in jedem Sinne eine Vorreiterrolle spielen darf.
Die ‚Heuschrecken'-Debatte ökonomisch ernst genommen: Wie die Stars der Finanzmärkte Geld vermehren
Nicht minder eine ökonomische ‚Schlüsselrolle' spielen, in den höheren Abteilungen nationalen Wachstums, auf den Finanzmärkten - aber nicht nur dort, die Hedge Fonds. Politisch gefördert, mit alten und neuen Freiheiten zum Anlegen animiert, haben sie sich auch in Deutschland auf wachsender Stufenleiter engagiert und agieren nicht mehr bloß in den obersten Etagen des Börsengeschäfts, sondern kaufen und verkaufen zunehmend auch ‚ehrliche' Unternehmen. Das ist jetzt auch wieder nicht recht - wie Müntefering unter allgemeiner öffentlicher Anteilnahme mit seinem Schlagwort von den Heuschrecken hat verlauten lassen. Anlass genug, dieser Abteilung des spekulativen Überbau, dieser Speerspitze der internationalen ‚New Economy' auf den Grund zu gehen, die sich mit ihren Milliarden der nationalen ‚Old Economy' bemächtigt und mit ihren Zins- und Renditeansprüchen über Gang und Untergang von Unternehmen entscheidet, milliardenschweren Einfluss auf nationale Standortfra-gen nimmt., kurz: ‚Arbeitsplätze vernichtet' oder ‚rettet' - wie es öffentlich verdolmetscht wird.